Es geht um nicht weniger als die Neuerfindung der Banken – WirtschaftMiss Krypto und die Deutsche Bank

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Foto: Deutsche Bahn/Amit Lennon – Anja Bedford
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WirtschaftMiss Krypto und die Deutsche Bank

Finanzen100 / Bislang galten Bitcoin & Co. als Schmuddelkinder der Finanzszene. Nun entwickeln Pioniere wie Anja Bedford eigenes Banken-Kryptogeld und revolutionieren die Branche. – Wie eine typische Bankerin sieht Anja Bedford nicht aus. Statt Kostüm und Absatzschuhen trägt sie Jeans und Sneakers von Converse. Ein ungewöhnlich lässiger Kleidungsstil in der Londoner City. Dort ist für viele die Krawattenpflicht so unverrückbar wie der Tresorraum der Bank of England.

Nicht nur ihr Äußeres, auch der Job der 33-Jährigen hat wenig mit den Traditionen der Finanzbranche zu tun. Die junge Managerin arbeitet im Innovation Lab der Deutschen Bank, dem Zukunftslabor des Geldhauses. Es liegt eher versteckt im Bürokomplex Pinners Hall, im Schatten der Glastürme von Europas größtem Finanzviertel.

Deutsche Bank

Deutsche Bank-Chart - Performance 1 Tag

 

Bedford blickt neugierig auf ihre Mitstreiter. Dutzende Programmierer brüten in dem Großraumbüro vor Bildschirmen, auf denen Zahlenreihen und Codes leuchten. Sie tüfteln an einer Technologie, die nach Handel und Logistik nun auch Finanzwesen und Banken revolutionieren könnte: die Blockchain.

»In fünf bis zehn Jahren wird man das Bankgeschäft kaum noch wiedererkennen«

Christian Sewing, Vorstandschef der Deutschen Bank

Bislang standen Banken Kryptowährungen ablehnend gegenüber. Doch das ändert sich gerade. Auch wegen Bedford. Die Wittenbergerin (Sachsen-Anhalt) hätte eigentlich Polizistin werden sollen. Das wünschte sich zumindest ihr Vater, selbst ein Kriminalkommissar mit dem Spezialgebiet Cybercrime. Zwar bestand Bedford die Aufnahmetests beim BKA, wollte aber dann doch lieber Wirtschaft studieren. Und bewarb sich anschließend bei der Deutschen Bank.

Dort hat sie eine steile Karriere hingelegt, machte neben dem Job einen Executive MBA an der Uni Oxford. Seit zweieinhalb Jahren ist sie in London für die Blockchain-Entwicklungen als Director verantwortlich. Bedford ist damit das Gesicht für die Zukunft der Deutschen Bank. Ihr wichtigstes Projekt: eine eigene Kryptowährung für Banken zu entwickeln.

Gemeinsam mit Kollegen von UBS, Credit Suisse, Barclays, Santander und HSBC arbeitet Bedford an dem Utility Settlement Coin, kurz USC. Geht alles glatt, könnte dieser bereits im nächsten Jahr starten.

Die Blockchain hat eine mysteriöse Aura. Kryptowährungen wie Bitcoin basieren auf der Technologie. Ein Hype ist um sie entstanden, denn viele glauben, sie könnten eine ähnlich bedeutende und revolutionäre Innovation sein wie das Internet.

coin-hero, finanzen.net
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Es geht um nicht weniger als die Neuerfindung der Banken

Auch Bedford ist sicher, dass die Technik das Geschäft der Banken grundlegend verändern wird. „Bei unserer Arbeit stellen wir uns oft die Frage: Macht es noch Sinn, das alte System zwanghaft anzupassen, oder schaffen wir lieber gleich etwas ganz Neues?”

Es geht also darum, die Bank neu zu erfinden. Konkret soll Bedford prüfen: Wo kann die Blockchain eingesetzt werden? Wie kann mit ihr Geld gespart oder neues verdient werden?

Bedford ist Managerin, keine Hackerin. Dennoch fasziniert sie neue Technologie und wie sie die Welt verändert. Schon jetzt bezahlt sie nur noch mit ihrer Apple Watch. Bargeld nutzt sie fast nie – zum letzten Mal im Italienurlaub, weil dort der Taxifahrer Cash wollte. Zwar bezeichnet sie sich als „risikoscheu“, ärgert sich heute aber ein wenig, dass sie nicht früher in Cybergeld investiert hat: „Ich habe geheiratet, ein Haus gekauft und einen fast 100000 Euro teuren Masterstudiengang zur Hälfte selbst finanziert – danach war dann erst mal kein Geld mehr für Kryptowährungen da.“

FotoFoto: dpa/Arne Dedert – Christian Sewing
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Bank-Chef Sewing hält große Stücke auf Anja Bedford

Zu Bedfords größten Fans gehört Christian Sewing. Der neue Chef der Deutschen Bank sagte kürzlich, „in fünf bis zehn Jahren wird man das Bankgeschäft kaum noch wiedererkennen“. Durch die Digitalisierung müsse man „völlig neue Wege gehen“. Die Deutsche Bank steckt wegen Ertragseinbrüchen und Führungschaos seit Jahren in der Krise – auch wenn das Geldhaus diese Woche überraschend gute Zahlen verkündete: Von April bis Juni verbuchte die Bank 400 Millionen Euro Gewinn.

Bislang war die Finanzwelt zweigeteilt: hier die traditionellen Geldhäuser unter Aufsicht der Zentralbanken. Dort das digitale, unregulierte Kryptogeld. Nun verschwimmen die Grenzen.

Die Blockchain ist eine Art digitales Haushaltsbuch. Eine Datenbank, die von an das Netzwerk angeschlossenen Computern ständig fortgeschrieben wird. Daten, die auf einer Blockchain gespeichert sind, können praktisch nicht gelöscht oder manipuliert werden. Sie werden auf allen Computern gleichzeitig abgelegt statt in einer einzelnen Datenbank. So ist immer nachvollziehbar, woher Transaktionen oder Informationen stammen. Dazu können Smart Payments programmiert werden: Bei Erfüllung einer Vertragsbedingung lösen sie automatisch eine Zahlung aus.

Galten Kryptowährungen bis vor wenigen Monaten in der Finanzbranche auch wegen der Kursausschläge (siehe Faktenreport) als unseriös, ändert sich die Sicht rapide. Der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock kündigte diese Woche an, eine Arbeitsgruppe für Blockchain zu gründen. Prompt legten die Kurse von Währungen wie Bitcoin, Ethereum oder Ripple deutlich zu.

Auch Goldman Sachs setzt verstärkt auf die Blockchain-Technologie. David Solomon, ab Oktober Chef der US-Investmentbank, erklärte, sein Geldhaus werde seinen Kunden verstärkt Produkte zu Kryptowährungen anbieten – darunter auch Bitcoin.

Was bringt eigenes Kryptogeld? 17 Milliarden Euro Ersparnis

Für Sewing und Bedford dürften diese Nachrichten Bestätigung sein, dass sie auf dem richtigen Weg sind. Die eigene Kryptowährung USC soll zunächst als Zahlungsmittel der Banken untereinander fungieren. Durch den USC und die Blockchain können Geldhäuser dann etwa Wertpapiere sofort übertragen und damit Risiken, Zeitaufwand und vor allem Kosten senken.

Bis zu 17 Milliarden Euro pro Jahr könnten die Banken einsparen, sollten sie dann grenzüberschreitende Zahlungen, Wertpapierhandel und Compliance über die Blockchain abwickeln, hat die spanische Bank Santander errechnet.

Die revolutionäre Technik, auf der alles Kryptogeld basiert, kann indes auch zur Gefahr für den ganzen Berufsstand werden. Auf der Blockchain wird eine Information mit vielen unterschiedlichen Institutionen abgeglichen. Etwa beim Wertpapierhandel. Da reden Anwälte, Prüfer, Regulatoren, Rating-Agenturen und ClearingHäuser mit. Durch die Blockchain könnten viele Zwischenschritte wegfallen. Auch die Börse. Und in letzter Konsequenz sogar die Bank selbst.

„Wir stellen uns oft die Frage: Sollen wir nicht gleich etwas ganz Neues schaffen?“

Einige Länder prüfen inzwischen staatliche Digitalwährungen. So denken die Russen über einen Krypto-Rubel nach, die Schweden überlegen, wie eine E-Krone aussehen könnte. Mit einer staatlichen Digitalwährung für jedermann könnte in der Theorie jeder Geld per Smartphone hin- und herschicken und damit einkaufen, rein digital. Das birgt auch viele Risiken – etwa die Gefahr staatlicher Überwachung.

Blockchain-Experte Roman Beck (IT-Universität Kopenhagen) warnt: „Das bisherige Geschäftsmodell der Banken basierte auf Vertrauen.“ Doch darauf sollte sich keine Bank verlassen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Beck weiß: „Die Blockchain greift das Kerngeschäft der Versicherungen und Banken an.“

Experten empfehlen: Die Banken müssen sich schnell verändern

Was also tun? Laut Beck gibt es nur eine Möglichkeit: Die Banken müssten sich verändern. Und zwar schnell. Das Problem: Leider gebe es in der deutschen Finanzbranche erschreckend wenig Innovation. „Die Gefahr ist, dass in Deutschland die Entwicklung der Technologie verschlafen wird.“

Zu einem ähnlichen Schluss kommt eine Studie von PricewaterhouseCoopers: Zwar schätze jeder zweite deutsche Finanzmanager die Blockchain-Technologie als zukünftig relevant ein. Allerdings sind für gut zwei Drittel der Befragten Blockchain-Lösungen aktuell kein Teil der Unternehmensstrategie.

Niedrigere Kosten senken Kosten für Kunden

Was genau bringen dem Kunden eigentlich die Blockchain-Abenteuer seiner Bank? Experte Beck glaubt: Wenn Bankgeschäfte effizienter und günstiger ablaufen, könnte auch der Kunde sparen. Beispiel: Eigentlich sollte man sein Aktiendepot so einfach umziehen können, wie man mal eben den Stromanbieter wechselt.

Anja Bedford weiß um die Herausforderungen für die Branche. Sie fliegt im Monat fast einmal um die Welt: zu Treffen mit Kollegen in China, Singapur, den USA. „Leider ist die Blockchain nicht für jedes Problem die richtige Lösung“, sagt Bedford. Ob sie eine typische Bankerin sei? „Nein“, sagt Bedford, „eher eine Problemlöserin.“ Genau das könnte die Bankerin der Zukunft sein.

Im Video: Jobs in Gefahr: Bankchef prophezeit nie gesehenen Kahlschlag

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Quellen: www.finanzen100.deOriginaltext vom 28.07.2018https://platincoinsite.blog

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