Virtuelle Währungen ziehen immer mehr Investoren an. Besonders beliebt sind so genannte Initial Coin Offerings (ICO)

Initial Coin Offerings: Wie funktioniert ein Krypto-«Börsengang»?

Virtuelle Währungen ziehen immer mehr Investoren an. Besonders beliebt sind so genannte Initial Coin Offerings (ICO). Wie ein ICO funktioniert – und wo die Chancen und Risiken für Anleger liegen.
Computercodes sind die Basis jeder Internetwährung.
Computercodes sind die Basis jeder Internetwährung. Pixabay (Bild)

 

Zu Wochenbeginn verloren die zwei grössten Digitalwährungen – Bitcoin und Ethereum – plötzlich deutlich an Wert. Grosse Kursschwankungen sind bei virtuellen Währungen zwar keine Seltenheit, aber die jüngste Korrektor hatte einen konkreten Auslöser: Die chinesischen Aufsichtsbehörden verboten Initial Coin Offerings (ICO), mit denen Startups aus der Krypto- und Blockchain-Szene Geld einsammeln, um ihr Geschäft voranzutreiben, und mit denen häufig auch neue Kryptowährungen geschaffen werden.

Damit versetzten die chinesischen Behörden den etablierten Digitalwährungen einen Schlag. Denn diese werden gebraucht, um solche ICO zu finanzieren. Bei einem ICO gibt ein Startup sogenannte Token aus (anders ausgedrückt: digitale Münzen). Investoren können diese Token mit anderen Internetwährungen wie Bitcoin kaufen. So entstehen laufend neue Kryptowährungen mit Namen wie OmiseGo, EOS oder Iota.

Auch Promis wetten mit

Die deutliche Reaktion auf dem Krypto-Markt vom letzten Montag zeigt, welche Bedeutung diese neuartige Unternehmensfinanzierung mittlerweile hat. Laut Informationen von coinmarketcap.com gibt es derzeit 866 Digitalwährungen mit einer Marktkapitalisierung von knapp 147 Milliarden Dollar. Wie das deutsche Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ schreibt, ist in den ersten sechs Monaten mehr Geld mittels ICO in Startups geflossen als über den herkömmlichen Weg von Wagniskapital.

Die virtuelle Geldbeschaffung zieht neben seriösen Anlegern auch viele Spekulanten und andere Glücksritter an. So outen sich immer mehr Prominente wie Boxweltmeister Floyd Mayweather oder Fussballer Luis Suarez als ICO-Investoren. Ihr Motiv ist selten die Einflussnahme auf ein Jungunternehmen, wie es bei anderen Finanzierungsmethoden der Fall ist.

Wichtigster Teil der Investoren-Phantasie ist die Hoffnung auf schnelle Gewinne. Teils zu Recht: Ist das Interesse der Investoren gross, liegen beeindruckende Renditen drin. Die Währung OmiseGo beispielsweise ist zwischen Mitte Juli und Anfang September von 0,5 Dollar auf über 12,40 Dollar gestiegen. Oder es folgt der tiefe Fall, wie beim Projekt EOS, einer Plattform für dezentralisierte Apps. Zwar haben die EOS-Gründer Token für 200 Millionen Dollar verkauft. Deren Wert ist aber in den letzten Wochen stark eingebrochen. Offenbar hat sich am Markt mittlerweile die Meinung durchgesetzt, dass EOS seine Versprechen vorerst nicht erbringen kann.

Das zeigt die Risiken im Zusammenhang mit ICO auf, die aber von vielen Investoren nicht berücksichtigt werden. Viele Leute wollten den ICO-Boom nicht verpassen, verstünden aber die zugrundeliegenden Konzepte nicht, sagt Stefan Steiner von der Startup-Initiative Venturelab. „Der derzeitige Hype erinnert stark an die Dotcom-Blase.“ Damals verloren viele Anleger ihr Geld, weil sie in der allgemeinen Börseneuphorie auf Technologieunternehmen ohne marktfähige Produkte setzten.

Branchenkenner raten interessierten Investoren deshalb, sich über ihre eigenen Ziele im Klaren zu sein. Denn viele Startups bieten bei ihren ICO kein Mitspracherecht und auch keine direkte Gewinnbeteiligung an. Dabei ist das sogenannte „Whitepaper“ wichtig, worin ein Unternehmen seine Strategie, seine Ziele, aber auch seine Investment-Regeln bekannt gibt. Auch wenn diese Dokumente oft einer wissenschaftlichen Arbeit gleichen, sind sie für Anleger zentral. Eine gute Übersicht bietet etwa die Seite tokendata.io.

Regulierung hinkt dem Hype hinterher

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist die Regulierung. Anders als konventionelle Börsengänge sind ICO in der Schweiz kaum reguliert, weil den Investoren auch kaum Rechte zustehen. „Die ICO-Welle rollte schlicht zu schnell an für die Schweizer Regulatoren“ sagt Experte Stefan Steiner. Dass aber bald etwas unternommen wird, sei sehr wahrscheinlich. „Klare Regeln sind zu befürworten, wenn sie Startup-freundlich sind und den Investor schützen.“

In den USA hat die Börsenaufsichtsbehörde SEC bei Kryptowährungen bereits regulierend eingegriffen. Die Token von DAO seien Wertpapiere und würden deshalb den Wertpapiergesetzen unterliegen, schrieb die SEC in einer Mitteilung. Sinn und Zweck dieser Regulierung sei, sicherzustellen dass die Anleger alle notwendigen Informationen erhalten und im Sinne des Investorenschutzes der behördlichen Aufsicht unterliegen.

Zurück nach China: Die Zentralbank schrieb bei ihrem jüngsten Verbot von ICO, diese seien „eine Art illegale öffentliche Kapitalbeschaffung, die im Zusammenhang mit kriminellen Machenschaften wie Betrug und Schneeballsystemen stehen“. Dennoch rechnen Experten damit, dass das Verbot nur vorübergehend ist. Weltweit hätten Aufsichtsbehörden Mühe damit, ICO und ihre Risiken zu verstehen. Nun nehme sich China Zeit, um sich in Ruhe damit zu beschäftigen.

Quellen: www.cash.ch – Ivo Ruch / https://platincoinsite.blog

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